Warum wird die Schere zwischen arm und reich immer größer?

Wer hat, dem wird gegeben

Wer arm ist, bleibt meist arm. Und wer schon genug hat, bekommt noch mehr. So sieht die aktuelle Entwicklung aus. Gut ist das aber für niemanden.

Das klingt unfair: Einem Prozent der Bevölkerung in Österreich, Deutschland und der Schweiz gehört mehr als ein Drittel des gesamten Privatvermögens der Region. So ist es aber.

Ein altes Sprichwort sagt: Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu. Das gilt auch fürs Geld. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Das stellt auch die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in einem Bericht fest.

Die zehn reichsten Österreicher wurden von 2013 bis 2014 sogar noch schneller reich als die „normalen Reichen“.

Zwei Drittel haben kaum Reserven

Im Gegensatz dazu haben 70 Prozent der ärmeren Menschen in Österreich nichts auf der hohen Kante, viele von ihnen haben Schulden.

Schaut man sich an, wie’s weltweit zugeht, wird die Kluft noch deutlicher: 2,7 Milliarden Menschen haben so viel Einkommen wie die 50.000 Reichsten. In den letzten Jahren haben die fünf Prozent der Ärmsten ein Viertel ihres Einkommens verloren, während die reichsten fünf Prozent sogar zwölf Prozent dazu gewonnen haben.

Aber warum ist das so?

Die meisten Menschen verdienen ihr Geld durch Arbeit, bekommen also Löhne oder Gehälter. Seit der Wirtschaftskrise 2008 sind diese aber nicht besonders stark gestiegen. Viele freuen sich schon, wenn ihr Einkommen genau so steigt wie die Inflation.

Reiche tun sich da leichter: Sie profitieren davon, dass die Politik „die Wirtschaft ankurbeln will“ und daher Investitionsanreize gibt. Ihr Vermögen legen sie geschickt an: Sie investieren in Luxusimmobilien, die die Reichen kaufen, die immer reicher werden, und in Aktien, wenn die Kurse steigen.

Zwischen 2007 und 2011 ist der Gini-Koeffizient in Österreich von 0,269 auf 0,282 im Jahr gestiegen. Das heißt: Nach der Wirtschaftskrise 2008 waren Einkommen und Vermögen ungleicher verteilt als zuvor.


Wie misst man die Unterschiede?
Es gibt viele Verfahren, um die Einkommens- und Vermögensunterschiede zu messen. Eine verbreitete Methode ist der so genannte Gini-Koeffizient. Liegt er bei 0, haben alle ungefähr gleich viel. Liegt er bei 1, sind die Einkommen vollkommen ungleich verteilt. Dies ist aber nur ein theoretischer Fall der bedeutet, dass eine einzige Person sämtlich Einkommen eines Landes erhält und alle anderen leer ausgehen.

In der Realität gibt es das nicht wirklich. In den Ländern mit der größten Ungleichheit liegt der Gini-Koeffizient im Bereich von 0,7 und darunter. Das sind meist Entwicklungsländer mit einer ganz kleinen reichen Obersicht. In Europa sind Gini-Koeffizienten zwischen 0,2 und 0,4 normal.

 

Na, und? Solange es mir gut geht ...
 

 

Auf eine Gesellschaft wirkt sich die ungleiche Verteilung des Geldes schlecht aus: Die Kriminalität steigt, das Umweltbewusstsein sinkt, soziale Unterschiede werden größer. Es wird einfach unkuscheliger.
Und ungesünder. Je ungleicher das Geld in einer Gesellschaft verteilt ist, desto mehr Krankheiten gibt es. Und die treffen laut verschiedener Studien nicht nur die Armen, sondern auch die Reichen stärker.

Wenig Chancen auf Veränderung
Mit dem Geld werden auch die Chancen ungleich verteilt. Kinder aus armen Familien bleiben viel wahrscheinlicher arm als solche aus besser gestellten Häusern. Auch das ist in vielen Studien untersucht worden. Organisationen wie die Armutskonferenz setzen sich für eine Politik ein, die die Armut bekämpft. 

 

Links

·         Die Armutskonferenz. Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung
Die Armutskonferenz informiert online ausführlich über Armut und ihre Auswirkungen und bietet eine umfassende Datenbank mit Materialien zum Thema.

·         OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) über Ungleichheit

 

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